Mental Load bei Müttern: Wenn das „Funktionieren“ zur biologischen Last wird - Ein Interview
- Julia Christal

- 13. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Apr.

Larissa Kubon ist Psychologin und Therapeutin für Klinische Psychoneuroimmunologie. In ihrer Online-Praxis verbindet sie Psychologie mit Körperwissen, um sichtbar zu machen, wie Psyche, Körper und Lebensstil zusammenwirken – mit dem Ziel, nicht nur Symptome zu bearbeiten, sondern deren Wurzeln zu finden. Als Mutter einer kleinen Tochter weiß sie aus eigener Erfahrung, wie essenziell Selbstfürsorge in der „Rush Hour des Lebens“ ist, um gesund zu bleiben.
Das Interview: Mental Load bei Müttern und die Folgen für das Nervensystem
Larissa, viele Mütter suchen nach Antworten auf Themen wie „ständig erschöpft“ oder „keine Energie trotz normalem Alltag“. Was beobachtest du aktuell am häufigsten?
Larissa Kubon: Einerseits sehe ich, dass die unausgesprochenen gesellschaftlichen Erwartungen an Mütter heute extrem hoch sind. Wir sollen geduldig sein, den Haushalt wuppen und gleichzeitig im Job volle Leistung bringen, ohne dass unsere Arbeit unter der Mutterschaft „leidet“. Viele Frauen stellen genau diesen Perfektionsanspruch an sich selbst und überlasten sich damit. Oft sage ich dann: Vielleicht bist du nicht „nicht belastbar genug“, sondern das Pensum ist einfach objektiv zu hoch.
Der Begriff Selbstfürsorge wird oft mit „Me-Time“ gleichgesetzt. Was bedeutet er aus psychologischer Sicht wirklich?
Larissa Kubon: Zu Selbstfürsorge gehört viel mehr als nur Me-Time. Es bedeutet zu überprüfen, wie ich in Gedanken mit mir selbst spreche, welche Erwartungen ich an mich stelle und wie wichtig ich meine Bedürfnisse nehme. Es kann bedeuten, Grenzen zu setzen und „Nein“ zu sagen oder sich einfach mal mit dem Baby hinzulegen und den Haushalt warten zu lassen. Selbstfürsorge funktioniert oft ohne extra Zeitfenster, denn vieles davon passiert im Innen.
Welche Auswirkungen hat der Mental Load langfristig auf das Stresslevel und das Nervensystem?
Larissa Kubon: Unser Körper macht keinen Unterschied, ob der Stress von außen oder von innen kommt. Stress durch Mental Load bringt unser System in Alarmbereitschaft. Das Nervensystem fährt hoch für Kampf oder Flucht. Da der Mental Load aber kein „Tiger“ ist, vor dem man einfach wegrennt, bleiben wir oft dauerhaft im Überlebensmodus hängen. Das zeigt sich als Unruhe, Gedankenkarussell, Muskelverspannungen oder Zähneknirschen. Erholung ist in diesem Modus kaum noch möglich.
Warum fällt es Müttern so schwer, Grenzen zu setzen?
Larissa Kubon: Viele Frauen tragen Glaubenssätze wie „Ich muss es allen recht machen“ oder „Ich muss funktionieren“ in sich. Dann fällt es schwer, sich zu erlauben, für sich selbst zu sorgen, und man stellt sich immer hinten an. Diese Prägungen hängen oft damit zusammen, wie Mädchen in unserer Gesellschaft sozialisiert werden. Aber: Wir können diese Glaubenssätze umschreiben und uns bewusst dazu entscheiden, uns anders zu verhalten.
Gibt es realistische erste Schritte, um das Nervensystem im Familienalltag zu beruhigen?
Larissa Kubon: Es kommt auf die Regelmäßigkeit an. Ausschlaggebend ist, dem Nervensystem jeden Tag kleine Impulse zu geben, dass es in Sicherheit ist. Das kann das bewusste Spüren der Füße beim Windelwechseln sein oder das Vertiefen des Atems beim Durchschreiten eines Türrahmens. Auch Alltagsbewegung baut Stress ab. Es geht darum, kleine Momente der Selbstfürsorge dauerhaft einziehen zu lassen.
Wann reichen mentale Strategien allein nicht mehr aus?
Larissa Kubon: Stress ist nie rein mental. Besonders relevant wird es, wenn mentale Strategien keine deutliche Besserung bringen. Das ist ein Hinweis darauf, dass auf körperlicher Ebene etwas aus der Regulation geraten ist. Auch Nährstoffmängel oder Botenstoffe des Immunsystems können das Stresssystem aktivieren. Es ist daher hilfreich, neben der psychologischen Ebene auch die biochemischen Prozesse und den Lebensstil zu berücksichtigen.
Was wäre der wichtigste erste Schritt für eine Mutter mit hohem Mental Load, die heute etwas verändern möchte?
Larissa Kubon: Der allererste Schritt ist die Erlaubnis zur Selbstfürsorge. Sie ist nicht egoistisch, sondern notwendig, denn erst wenn wir selber stabil stehen, können wir andere gut halten. Die Überzeugung „Meine Bedürfnisse sind wichtig“ ist die Basis, um in dieser herausfordernden Lebensphase bei Kräften zu bleiben.
Fazit für Mental Load bei Müttern: Ganzheitliche Unterstützung bei Erschöpfung in Köln
Das Gespräch mit Larissa Kubon macht deutlich: Wenn der Mental Load das biologische System übernimmt, müssen wir die Ursachen dort suchen, wo sie entstehen – an der Schnittstelle von Psyche und Körper.
In meiner Praxis in Köln begleite ich Mütter dabei, aus dem „Überlebensmodus“ zurück in den „Lebensmodus“ zu finden. Durch eine systemische Ursachenanalyse und funktionelle Labordiagnostik klären wir, ob körperliche Faktoren wie Nährstoffmängel oder hormonelle Dysbalancen deine Erschöpfung verstärken.
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